HAMNET

An den Standorten Brandensteinsebene und Hochschule Coburg betreibt der OV Coburg zwei HAMNET-Standorte (Highspeed Amateur Radio Multimedia Network). Nutzereinstiege sind aktuell am Standort Hochschule Coburg (DB0FHC) vorhanden.

Das HAMNET ist ein eigenes Internet der Funkamateure und der quasi-Nachfolger des ehemaligen Packet-Radio-Netzes (AMPRnet). Das HAMNET nutzt die funktioniert ähnlich wie das “richtige” Internet. So können wir in Coburg zum Beispiel eine Webseite aus Hamburg per HAMNET, also ohne Internetzugang, abrufen. Die Daten werden dann von einem HAMNET-Knoten zum nächsten weitergegeben – wie im richtigen Internet auch. Die Verbindung zwischen HAMNET-Standorten wird allerdings nicht per Glasfaserkabel, sondern mit speziell konfigurierter WLAN-Technik auf den Frequenzbändern 2,3 GHz und 5 GHz realisiert.

Das HAMNET ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Digitalisierung auch vor dem Amateurfunk nicht Halt macht. Als eine der (bisher) wenigen digitalen Amateurfunk-Anwendungen verbindet es die Elektrotechnik mit der Informatik und macht Amateurfunk dadurch für einen breiteren Personenkreis interessant.

Karte des europäischen HAMNET
Karte des europäischen HAMNET

Wofür kann das HAMNET genutzt werden?

Wir verwenden für das HAMNET die gleiche Technik wie im Internet. Das hat den Vorteil, dass das HAMNET ebenso universell wie das Internet verwendet werden kann. Von Video-Telefonie über Webseiten und Chaträume ist alles dabei. Mit der entsprechenden Hardware kann sogar die eigene Funkstation am Conteststandort aus der Ferne bedient werden (Remote-Betrieb).

Die Hauptanwendung ist jedoch die Vernetzung von Relaisstationen untereinander (ähnlich dem Echolink-Netz). Auch DMR-Relaisstationen können über das HAMNET vernetzt und an das Brandmeister-Netz angeschlossen werden.

Eine Möglichkeit wäre auch, das HAMNET für Notfunk zu verwenden. Hierzu müssten viele Standorte jedoch erst einmal unabhängig vom öffentlichen Stromnetz funktionieren, was derzeit nicht immer gegeben ist.

Wie komme ich ins HAMNET?

Portabelbetrieb HAMNET am Staffelberg

Über einen sog. Nutzereinstieg kommen Funkamateure ins HAMNET. Diese Nutzereinstiege werden meistens auf 2,3 GHz realisiert. Daher ist eine direkte Sichtverbindung zum Nutzereinstieg erforderlich. Da das nicht immer möglich ist, gibt es seit einigen Jahren Bestrebungen, Nutzereinstiege auch im 70cm Band anzubieten, das keine direkte Sichtverbindung erfordert. Die hierfür nötige Hardware ist teilweise noch in Entwicklung, teilweise aber auch schon im Einsatz. Im Raum Franken ist uns jedoch noch kein 70cm Einstieg bekannt. Leider gibt es in Deutschland nur wenige 200 kHz-breite Kanäle auf 70cm, sodass die Geschwindigkeit begrenzt sein dürfte.

Wer keine Sichtverbindung zu einem Nutzereinstieg hat oder sich erst einmal unverbindlich im HAMNET umsehen möchte, kann sich über das Internet ins HAMNET verbinden. Auf der Webseite der Amateurfunkgruppe der RWTH Aachen kann man einen VPN-Zugang ins HAMNET einrichten lassen. Hierfür ist die Angabe des Rufzeichens und ein Scan der Lizenzurkunde erforderlich.

Welche Geschwindigkeiten werden erreicht?

In Deutschland sind automatisch arbeitende Amateurfunkstellen auf maximal 15W ERP begrenzt. Zudem dürfen auf den “HAMNET-Bändern” 6cm und 13cm nur maximal 10 MHz Bandbreite belegt werden. Dadurch können maximal ca. 50 MBit/s erreicht werden. In der Praxis sind aber Bitraten von etwa 6 MBit/s realistisch – abhängig von der Entfernung zum Ziel. Bei einer Verbindung von bspw. Hamburg nach Coburg müssen die Pakete teilweise über 20 Relaisstationen jeweils auf 5 GHz über hunderte Kilometer übertragen werden, was sehr an der Bitrate zehrt. Zum Aufbau von Webseiten oder zum Chatten reicht die Bitrate allemal.

In Österreich ist bspw. mehr Leistung und Bandbreite zugelassen, sodass hier im Idealfall Bitraten von über 100 MBit/s erreicht werden können. Das deutsche HAMNET ist dennoch deutlich schneller als das ehemalige Packet-Radio-Netz.

Wie funktioniert das HAMNET?

Das HAMNET funktioniert im Endeffekt genauso wie das Internet. Unsere Knotenpunkte sind allerdings nicht, wie im Internet üblich, per Glasfaserkabel verbunden. Stattdessen benutzen wir speziell konfigurierte und auf Amateurfunk abgestimmte WLAN-Technik. Die längsten Verbindungsstrecken zwischen Knotenpunkten (Linkstrecken) sind in Deutschland etwa 150km lang. Knotenpunkte (Relaisfunkstellen) werden meistens auf unserem 6cm-Band (5 GHz) miteinander verbunden, was eine freie Sichtverbindung erfordert. Auch nur wenige Bäume im Weg können auf diesen Frequenzen für große Signalschwankungen sorgen.

Profil der Linkstrecke DB0UC <-> DB0ZB

Abgesehen davon, dass HAMNET-Standorte per Funk miteinander verbunden sind, funktioniert alles andere genauso wie im Internet. Im HAMNET werden IP-Adressen aus dem Bereich 44.130.0.0 – 44.130.255.255 (44.130.0.0/16) und 44.148.0.0-44.149.255.255 (44.148.0.0/15) benutzt. Diese Adressen sind weltweit für den Amateurfunk reserviert und kommen aus dem Bestand des AMPRnet.

In der Frühzeit des Internets hat der Funkamateur Brian Kantor den IP-Adressbereich 44.0.0.0-44.255.255.255 reserviert und dem Amateurfunk zur Verfügung gestellt. Früher wurden die IP-Adressen für Packet Radio verwendet. Heute profitiert das HAMNET von dieser IP-Adresszuteilung. Durch die Knappheit an IPv4-Adressen wurde im Jahr 2019 ein Teil dieser IP-Adressen an Amazon (zum stolzen Preis von 2,5 Mrd. Dollar) verkauft. Im verkaufen Bereich 44.192.0.0 – 44.255.255.255 lag leider auch der IP-Bereich des deutschen HAMNETs, weswegen alle HAMNET-IP-Adressen in Deutschland umgestellt werden mussten. Hin und wieder stößt man im HAMNET noch auf IP-Adressen aus dem “alten” Bereich 44.224.0.0-44.225.255.255 (44.224.0.0/15), der mittlerweile zu Amazon gehört.

Bei der Konfiguration von HAMNET-Standorten ist einiges zu beachten, was man an folgendem Diagramm von DB0UC recht schön sehen kann:

HAMNET-Konfiguration von DB0UC